Roland Koppenberger schrieb:
Die neue Aufgabe ist für mich ein typischer Vertreter eines Wahrscheinlichkeitsbeispiels:
Es gibt eine korrekte Lösung und eine davon verschiedene und falsche "populär-plausible" Lösung ;-)
Natürlich freut sich Archibald NICHT zurecht, seine Chance zu Überleben ist nach wie vor 1/3,
allerdings verdoppelt sich durch die Info über Caspar die Überlebenschance von Bartholomäus!
Denn:
Anfangs hat jeder der drei Freunde (im folgenden kurz A, B, C genannt)
eine Überlebenswahrscheinlichkeit von 1/3. Vom Standpunkt des A aus betrachtet heißt das dann,
A überlebt zu 1/3 und die Wahrscheinlichkeit, dass entweder B oder C überlebt, ist 2/3.
Wenn jetzt bekannt wird, dass C sicher nicht überlebt, ändert das für A gar nichts (1/3), jedoch für B einiges (2/3).
In Gleichungsform ausgedrückt:
zunächst gilt: A = 1/3, B = 1/3, C = 1/3
und somit B + C = 2/3
die Info des Wärters ergibt C = 0
und somit 2/3 = B + C = B + 0, also B = 2/3
davon unberührt bleibt A = 1/3
Offensichtlich wird das Ergebnis auch, wenn man sich alle (gleich wahrscheinlichen) Möglichkeiten notiert:
A überlebt, B und C sterben, Wärter antwortet B oder C
B überlebt, A und C sterben, Wärter antwortet C (oder A)
C überlebt, A und B sterben, Wärter antwortet B (oder A)
=> A überlebt in einem von drei Fällen, also A = 1/3 (der vom
Wärter nicht Genannte der Freunde von A überlebt in zwei von drei Fällen).
Lösung von David Grimm
Ich denke Archibald hat keinen Grund zur Freude, wohl aber Bartholomäus.
Caspar sowieso Grund zum Weinen.
Die Gesamtfreude (Überlebenswahrscheinlichkeit) bleibt erhalten, nur verteilt sie sich anders als A. sich das vorgestellt hat.
Die Wahrscheinlichkeit, dass genau einer der 3 Freunde überlebt ist zu jedem Zeitpunkt gleich 1 (also sicher).
Diese teilt sich anfangs gleichmässig auf die 3 Freunde auf .(Jeder überlebt mit der wahrscheinlichkeit 1/3 !!!).
Nach dem feststeht,dass Caspar stirbt (Überlebenswahrscheinlichkeit 0)
wird die Sicherheit,dass einer der 3 Freunde überlebt (Wahrscheinlichkeit 1)
auf die beiden verbliebenen verteilt; nur eben nicht gleichmässig - (dort liegt A.'s Denkfehler,)
sondern wie folgt :
Die Wahrscheinlichkeit, dass der Überlebende bei {B;C} dabei ist beträgt 2/3.
Die, dass A der Überlebende ist 1/3.
Dass einer der beiden B oder C auf jeden Fall stirbt ist sowieso klar; die Überlebenswahrscheinlichkeit (2/3) bleibt den
Elementen {B;C} erhalten, auch wenn C dann als derjenige identifiziert wird, der auf
jeden Fall stirbt (wahrscheinlichk. 0). Die 2/3 Überlebenswahrscheinlichkeit gehen
also auf B über wohingegen A bei seinen 1/3 bleibt; quasi als Strafe dafür, dass er sich
nicht dem Risiko ausgesetzt hat, als sicherer Todeskandidat identifiziert zu werden.
(A lässt den Wärter aus B und C einen auswählen, der auf jedenfall stirbt.)
Herbert Nell sah nicht nur den mathematischen Aspekt:
Seine eigene Chance hat er nicht verbessert, aber die von Barholomäus ist um 100% gestiegen
(verdoppelt bzw. 2/3 Wahrscheinlichkeit)!!
Demnach sollte Archibald versuchen, Bartholomäus davon zu überzeugen, die Namen zu tauschen; seine Überlebenschancen würden rapide
steigen.
ich glaube, Archibalds Chancen haben sich aufgrund der Antwort des Wächters sogar verschlechtert
- denn:
Ein eher philosophisches als ein mathematisches Problem!
Die philosophische Frage lautet:
Kann ich Entscheidungen dadurch beeinflussen, dass ich absolute bzw. sichere Ereignisse von vorne herein ausschließe um eigene Wahrscheinlichkeiten zu steigern.
Philosophisch vieleicht ja, mathematisch nein.
ZUSATZ:
Diese alte Aufgabe ist eng verwandt mit einer etwas bekannteren Aufgabe zur Wahrscheinlichkeit, was von einigen Einsendern auch entsprechend angemerkt wurde:
In Amerika gab's (oder gibt's) eine Spielshow ("Let's make a deal"), wo ein Kanditat eine von drei (geschlossenen) Türen wählen durfte.
Hinter zwei der drei Türen waren Nieten und hinter einer der Hauptpreis.
Nachdem der Kandidat gewählt hatte (zB. Tür 1), öffnete der Moderator jene der beiden anderen (nicht gewählten) Türen,
hinter denen sich eine Niete verbarg (zB. Tür 3).
Nun hatte der Kandidat die Möglichkeit entweder bei seiner ursprünglichen Wahl zu bleiben (Tür 1) oder die andere noch
verschlossenen Tür zu wählen (Tür 2).
Die Frage im Hintergrund war immer, was ist günstiger?
Roland Koppenberger schreibt dazu:
Eine Frau (Marilyn vos Savant) behauptete in ihrer Kolumne einer amerikanischen Illustrierten,
dass es besser wäre, wenn der Kandidat die Tür wechsle, er verdopple dadurch seine Chance auf den Hauptpreis.
Daraufhin beschwerten sich namhafte Mathematiker und Experten in der Illustrierten über den "Unsinn" dieser Aussage.
Das Kuriose daran aber ist, dass die Aussage tatsächlich stimmt.
Als ein Bericht über diesen "amerikanischen Disput" in der
deutschen Zeitschrift "Der Spiegel" veröffentlicht wurde, schlugen die Leserbriefe in dieselbe Kerbe.
Wiederum echauffierten sich eine Reihe von Menschen über den "Unsinn" der Aussage von Marilyn von Savant - die Aussage
allerdings stimmt tatsächlich.
(Nachzulesen im Spiegel Nr. 34 und 36 aus 1991)
und Tilman Wendel hat dazu noch einen Literaturtipp:
Dieses Problem ist eng verwandt mit dem sogenannten "Ziegenproblem", wo es
eine Quizsendung mit drei Türen gibt, von denen eine einen Hauptgewinn
verbirgt.
Die verschiedensten Lösungsansätze hierfür, einschließlich der
Diskussionen darüber sind sehr schön in folgendem Buch beschrieben:
Das Ziegenproblem. Denken in Wahrscheinlichkeiten.
Von Gero von Randow
Taschenbuch - 176 Seiten (Juli 1992)
Rowohlt TB-V., Rnb.; ISBN: 349919337X
Auswertung:
| eingegangene Lösungen | richtige Lösungen | falsche Lösungen |
| 34 | 30 | 4 |
| Bemerkungen | Kaum jemand ist ist die "Wahrscheinlichkeitsfalle" getappt. | |
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© Karin S., Feb.2000 |
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