DENK m a l +
+ + 2001: des Rätsels Lösung + + +
Lösung der 2.
vom 22.1.2001
Vorbemerkung:
Obwohl ich sogar eine Skizze vorgegeben habe, versuchten einige Teilnehmer
sich die Aufgabe einfacher zu machen ;-)
Es hat aber leider nicht ausgerecht nur diesen Spezialfall (Katheten halbieren die
entsprechenden Seiten) zu lösen.
Aber ich habe auch viele sehr schöne bzw. auch originelle Lösungen erhalten
Martin Baselt hat seine Sägearbeit als sehr schöne
animierte Grafik
dargestellt:
Christian Rödl hat es geschafft, die Aufgabe auch ohne eine Skizze zu
lösen:

Hier die Lösung zur aktuellen Denksport-Aufgabe:
Zuerst einmal überlege man sich eine geeignete Beschriftung
des Rechteckes: L Länge des kleinen Rechtecks
H Höhe des kleinen Rechtecks
a*L Länge des großen Rechtecks (da ja laut Voraussetzung
das
kleine Rechteck das große teilt)
b*H Höhe des großen Rechtecks (da ja laut Voraussetzung
das kleine
Rechteck das große teilt)
x Senkrechte
y Schräge
Als nächstes überlege man sich eine Lösung des Problems:
Durch das Abschneiden entsteht ein verzogenes Sechseck. Wenn man dieses Sechseck mit einem geraden Schnitt teilt, ist es unmöglich,
die abgeschnittenen Ecken auszugleichen, also muss der Schnitt
irgendwie "ums Eck"
gehen. Mit Überlegen kommt man dann drauf, dass der Schnitt
genau Zickzack von links oben nach rechts unten verlaufen muss! Dann kann man das rechte
obere Teilstück "um einen Zacken nach links verschieben".
Wie man den Schnitt nun genau auf der Platte ausführen muss
will ich im
folgenden erläutern:
4 Möglichkeiten stehen zur Verfügung:
1.) Mit Nachdenken und Logik
Man braucht immer (a-2) Schrägen und daher (a-1) Senkrechten.
Wenn man nun ausrechnen will, wie lang eine Senkrechte sein muss,
rechnet man:
[(a-2)*H + b*H] : (a-1)
(...Summe aller Senkrechten geteilt
durch Anzahl der
Senkrechten).
Das liefert nach Umformen:
x = [H * (b-1)] / [(a-1)] + H ;
y = ( L2 + H2 )(1/2) ... nach Satz von Pythagoras
2.) Mit Vergleich der Flächeninhalte vorher - nachher:
Flächeninhalt am Anfang = a*L*b*H;
nach Verstümmelung: L*H*(a*b - 1).
also muss L*H*(a*b - 1) = (b*H + x - H)*[L*(a-1)] sein
(Höhe
mal Länge vom
neuen Rechteck)
und nach Umformen wieder: x = siehe oben...
3.) Mit ähnlichen Dreiecken:
[H*(b - 1)] : [L*(a - 1)] = [x - H] : L
und nach Umformen: siehe oben
4.) Die geometrische Methode:
eigentlich muss man x und y nämlich gar nicht ausrechnen:
Man nehme einen Zirkel, ein Lineal und ein Geodreieck. Nun
zeichne man zwei
parallele Diagonale in das Sechseck ein und zwar jeweils von
einem Eckpunkt
der abgeschnittenen Ecken zum gegenüberliegenden. Nun beginne
man links oben
mit der ersten Senkrechten, zeichne sie bis zur Diagonalen,
dann verschiebe
man die Hypotenuse des kleinen Rechtecks parallel bis zu
diesem Punkt, dann
wieder eine Senkrechte, usw...
Es gibt nicht nur eine Lösung, sondern immer zwei
Lösung von Jörg Wiegels,
die auf seiner Hompage
sogar interaktiv ist
Weil sowohl die Höhe als auch die Breite des Rechtecks ganzzahlige Vielfache der Längen der anliegenden Katheten der
abgesägten Dreiecke sind, gibt es für die Konstruktionsaufgabe zwei Lösungen, die in folgenden Skizzen dargestellt werden.
Zuerst werden (gelbe) Parallelen zu jeweils gegenüber liegenden Seiten des Rechtecks so eingezeichnet, dass sie das Rechteck
in gleich breite Streifen teilen und eine Ecke beider Dreiecke auf einer von ihnen liegt.
Danach werden die Enden der Hypothenusen durch zwei (grüne) Parallelen miteinander verbunden.
Anschließend werden alle Schnittpunkte der gelben mit den grünen Geraden so mit einem (roten) Kantenzug verbunden, dass
sich ein Sägezahnmuster ergibt.
Teilt man das Rechteck an dieser Linie, dann lässt es sich um einen Zahn versetzt wieder zu einem vollständigen Rechteck
zusammen fügen.
Johann Moll
beweist die Schnittführung:
Seien a = Höhe
b = Breite
Kathete vertikal = a / m m, n >= 1 nat. Zahlen
Kathete horizontal= b / n a, b >0 reelle Zahlen
Dann folgt:
F (alt) = a * b Flächeninhalt ursprünglich
(1)
F (neu) = a * b - a / m * b / n
Flächeninhalt nach Absägen der Ecken
Wenn man die Lösungsidee hat, weiß man, dass nach dem Absägen das
neue Rechteck die Breite (n - 1) / n * b hat.
Die vertikale Sägetiefe findet man durch s / m * a
(offensichtlich s >= 1)
Sozusagen: Die erste Schnitttiefe wird an der verkürzten linken Seite oben angesetzt.
(2) F (neu) = a * ( (m-1) / m + s / m) * b * (n - 1 ) / n
Aus (1) und (2) folgt: (Faktor a * b sofort weggekürzt)
(m * n -1) / (m * n) = ((m - 1) / m + s / m) * ((n - 1)/n)
= (m * n - m - n + 1) / (m * n) + s * (n - 1) / (m * n)
Gleichung mit m * n multiplizieren und nach s auflösen ergibt
s = (m + n - 2) / (n - 1)
s ist der Faktor für a / m
Beispiel: m = 5 n = 7 s = 5 / 3
Der erste senkrechte Schnitt hat also die Tiefe
a / m * s = a / 5 * (5 / 3) = a / 3
oder, was praktischer ist,
5 / 3 der Höhe eines Kästchens!
Anmerkung: Vertauscht man in der Formel m mit n,
dann wäre s der Faktor für b / n
Es gibt immer 2 Lösungen, sozusagen "orthogonale" Lösungen...
Man begänne dann statt senkrecht waagerecht zu sägen!

Roland Koppenberger hat seine Lösung sehr schön verpackt:
Tooltime-Sondersendung zum Sägeproblem
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| AL : |
Wir begrüßen Sie heute zu einer neuen Ausgabe von
Tooltime. |
TIM :
 |
Wir werden heute eine rechteckige Platte reparieren, bei der zwei gegenüberliegende Ecken beschädigt wurden. Wir werden dabei auch lernen, mit der vektoriellen kanadischen Koordinatensäge
(VCCS) umzugehen, freust du dich auch schon drauf, Al? |
| AL : |
Und wie, Tim! Zunächst brauchen wir kräftige Menschen, die unsere Platte in ein kartesisches Koordinatensystem (x, y) rücken und zwar so,
dass folgende Bedingungen erfüllt sind: |
| TIM : |
Die linke untere Ecke der Platte befindet sich im Koordinatenursprung, die Platte selbst liegt im positiven x- und y-Bereich. Die beschädigten Ecken platzieren wir links oben und rechts unten.
Ich denke, die kräftigen Menschen kriegen das hin, nicht wahr, Al? |
| AL : |
(nickt überzeugt beipflichtend). |
| TIM : |
Sie werden dafür aber eine Weile brauchen, also nutzen wir die Zeit und betrachten inzwischen die Seitenlängen der Platte. |
| AL : |
An den beschädigten Ecken sollen zwei kongruente Dreiecke so abgeschnitten werden,
dass die Länge der (ursprünglich unbeschädigten) Plattenseite (nxux bzw.
nyuy) jeweils ein ganzzahliges Vielfache (nx bzw.
ny) der jeweiligen Kathetenlänge (ux bzw. uy) des Abschnitts (mit
nx, ny Î N, ux,
uy Î R+) ist. |
| TIM : |
(verdreht die Augen): Das klingt irgendwie sehr kompliziert, Al. |
| AL : |
Ja, aber das ist es in Wirklichkeit gar nicht, Tim. |
| TIM : |
Na gut, die Platte liegt nun passend im Koordinatensystem, jetzt brauchen wir ein geeignetes Schneidwerkzeug, wir nehmen dazu (bedeutungsvoll betonend) die vektorielle kanadische Koordinatensäge
(VCCS) (strahlt) und sägen drauf los… |
| AL : |
Das glaub ich nicht, Tim!
Im Beipacktext der Säge sind deren Funktionen erläutert:
"(…) If you want to saw from point P straight ahead to point Q you have to instruct the VCCS with the command
SAW(FROM: P, CUT: Q-P). The actual position P of the VCCS can be determind with P =
SAWLOCATION. You can predefine a cut vector C with C =DEFINECUT(X,Y). (…)" |
| TIM : |
Genug der Vorrede, lass uns endlich ans Werk gehen, Al. |
| AL : |
Wie du willst, Tim. Schneiden wir zunächst die zwei beschädigten Ecken ordnungsgemäß ab. Wir programmieren zwei Schnitte in die Säge:
c1 = DEFINECUT(ux, uy)
SAW(FROM: (0, (ny-1)uy), CUT: c1)
SAW(FROM: ((nx-1)ux, 0), CUT: c1)
Und ab sind die beschädigten Ecken!
|
| TIM : |
Al, du bist ein Meister der Säge, wie du das mit den Ecken hingekriegt hast, unglaublich! |
| AL : |
Werd jetzt nicht persönlich, Tim! |
| TIM : |
Und jetzt kommt der Hammer - äh, die Säge, pass auf, Al!
Mit der vektoriellen kanadischen Koordinatensäge ist es uns jetzt möglich, mit einem sauberen Schnitt die Platte in genau zwei Teile zu zerlegen, die wir dann - natürlich anders angeordnet - wieder zu einem Rechteck zusammenleimen können.
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| AL : |
Genau, Tim. Allerdings müssen wir jetzt aufpassen, denn je nach Beschädigung müssen wir nun anders vorgehen. |
| TIM : |
Du hast recht, Al. Wenn die Beschädigung der Platte sehr groß war, also wenn
nx = 1, dann halbieren wir die Platte einfach horizontal, wir programmieren die Säge dann mit:
SAW(FROM: (0, nyuy/2), CUT: (ux, 0)) |
| AL : |
Richtig, Tim. Wenn die Beschädigung aber anders gelagert war
(nx > 1), dann haben wir etwas mehr Arbeit. Wir programmieren einen zweiten Schnittvektor c2 in die VCCS - ach ja, wir dürfen nicht vergessen, dass sich die Säge den definierten Schnitt c1 natürlich gemerkt hat. Wir instruieren die Säge also mit:
c2 = DEFINECUT(0, -uy(nx+ny-2)/(nx-1))
Erstaunlich ist jetzt, dass wir die Platte mit nur zwei Schnittvektoren auseinandernehmen können. Die Eingaben für die VCCS sind dafür:
SAW(FROM: (ux,nyuy), CUT: c2)
WHILE SAWLOCATION ¹ ((nx-1)ux, 0)
SAW(FROM: SAWLOCATION, CUT: c1)
SAW(FROM: SAWLOCATION, CUT: c2)
ENDWHILE
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| TIM : |
Mann, Al, das sieht ja richtig gut aus. Nun ist es ein leichtes, die beiden Teile so zu verschieben,
dass wieder ein Rechteck rauskommt. Fürs Zusammenleimen verwendet man dann einfach den passenden Komponentenkleber - und die Platte ist wieder wie neu, nicht wahr Al?
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| AL : |
Richtig, Tim. Allerdings ist sie jetzt ein wenig kleiner geworden, dafür sind alle Ecken wieder ordentlich kantig, wie sich's gehört.
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| TIM : |
So Freunde, das wär's wieder mal für heute. Beim nächsten Mal werden wir Al beide Ohren abschneiden und ihn im Dunkeln danach suchen lassen.
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| AL : |
Darauf freu ich mich schon besonders, Tim, also bis zum nächsten Mal bei
Tooltime! |
Auswertung:
| eingegangene Lösungen |
richtige Lösungen |
falsche Lösungen |
| 36 |
27 |
9 |
| Bemerkungen | Bei dieser Aufgabe war
Kreativität gefragt und die richtige Idee. Leider gaben einige Mitstreiter
auf halbem Wege auf und änderten meine Skizze so ab, dass sie einen
Spezialfall erhielten, den sie dann lösten. |

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