DENK m a l   2003:  des Rätsels Lösung 


  Lösung der 10. Aufgabe   vom 26.05.2003

 
Lösung von Rolf Leipe:

Bei der Aufgabe handelt es sich um ein Bernoulli-Experiment. Durch die Münzewürfe wird erreicht, dass bei jedem Ziehen die Wahrscheinlichkeit eine Kugel aus der Urne K bzw. Z zu ziehen ½ ist (dies entspricht einem Ziehen mit Zurücklegen aus einer Urne mit 20 Kugeln K und 20 Kugeln Z).

Gesucht wird die Wahrscheinlichkeit in der 35. Ziehung die 20. Kugel einer Sorte zu ziehen. (Damit wurden von der anderen Sorte Kugeln genau 15 gezogen und eine Urne des ist leer).
Damit nicht schon bei einer früheren Ziehung eine Urne leer ist, betrachten wir zunächst die Wahrscheinlichkeit, dass nach 34 Ziehungen 19 Kugeln einer Sorte (z.B. K) und 15 Kugeln der anderen Sorte (Z) gezogen wurden (dieses Ergebnis muss erzielt werden, wenn in der 35. Ziehung eine Urne geleert werden soll).

Die Wahrscheinlichkeit pn(k) dafür, dass bei einem solchen Bernoulli-Experiment in k von n Realisationen ein Ereignis A eintritt, ist dann gegeben durch die Binomial-Verteilung

Formel a
In diesem Fall also:

Formel b


Die Wahrscheinlichkeit, dass nach 34 Ziehungen 19 Kugeln Z und genau 15 Kugeln K gezogen wurden ist natürlich genauso groß.
Die Wahrscheinlichkeit nach 34 Ziehungen 19 Kugeln einer Sorte und genau 15 Kugeln der anderen Sorte gezogen zu haben ist demnach:

Formel c
Die gesuchte Wahrscheinlichkeit ergibt sich dann aus der schon berechneten Wahrscheinlichkeit und der Wahrscheinlichkeit in einer Ziehung (hier der 35.) die 20. Kugel einer Sorte zu ziehen, also ½.

Die gesuchte Wahrscheinlichkeit ist demnach:

Formel d
Bei der Lösung wurde vorausgesetzt, dass bei der Ziehung der 20. Kugel einer Sorte genau 15 Kugeln der anderen Sorte gezogen waren (und nicht mindestens 15 Kugeln).

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Lösung von Roland Koppenberger

Urnen leeren – eine allgemeine Diskussion
Jemand hat zwei Urnen mit je n > = 1 Kugeln darin, außerdem hat er eine faire Münze (fair bedeutet, dass beim Werfen der Münze diese mit gleicher Wahrscheinlichkeit Kopf bzw. Zahl zeigt). Er beschriftet die Urnen mit K bzw. Z. Dann wirft er die Münze wiederholt. Zeigt sie K, so entnimmt er der Urne K eine Kugel, zeigt sie Z, so entnimmt er der Urne Z eine Kugel. Wenn eine der beiden Urnen leer ist, ist natürlich in der anderen noch mindestens eine Kugel enthalten. Nachstehende Fragen werden in der Folge behandelt:

  1. Wenn eine der beiden Urnen leer ist, mit welcher Wahrscheinlichkeit sind dann in der anderen Urne noch genau r Kugeln (n > = r > = 1)?
  2. Wenn anfangs in beiden Urnen jeweils 20 Kugeln waren, mit welcher Wahrscheinlichkeit fehlen in der einen Urne erst 15 Kugeln, wenn die andere gerade leer geworden ist?

Beschreiben wir zunächst das Problem allgemein:
(k,z) bezeichne im folgenden den Zustand, dass in Urne K genau k Kugeln und in Urne Z genau z Kugeln sind. (n,n) stellt nun den Anfangszustand dar, die Endzustände lassen sich mit (r,0) bzw. (0,r) beschreiben. Stellen wir uns den das Leeren der Urnen in einem Diagramm mit Punkten (Zuständen) und Wegstücken bzw. Schritten (Veränderung von einem Zustand zum unmittelbar benachbarten) vor. Mehrere Wegstücke bzw. Schritte ergeben einen Weg von einem beliebigen Zustand zu einem anderen.

Grafik g
Die Darstellung erinnert an ein Parallelogramm. Alle Wegstücke sind Einbahnstraßen, jeder einzelne Schritt ist also nicht umkehrbar. Wege nach links unten vermindern die Kugelanzahl in der einen Urne, Wege nach rechts unten vermindern die Kugelanzahl in der anderen Urne – und zwar jeweils um eine Kugel.
Die Punkte (Zustände), wo eine der beiden Urnen leer ist, sind die Endpunkte (Endzustände) der Wege.

Wenden wir uns nun der ersten Fragestellung zu:
Wenn eine der beiden Urnen leer ist, mit welcher Wahrscheinlichkeit sind dann in der anderen Urne noch genau r Kugeln (n > = r > = 1)?
Gesucht wird jetzt die Wahrscheinlichkeit für den Zustand "(r,0) oder (0,r)". Das Problem ist symmetrisch, die Wahrscheinlichkeit für den Zustand (r,0) ist somit gleich der Wahrscheinlichkeit für den Zustand (0,r).
Wir berechnen zunächst die Anzahl der Wege von (n,n) nach (r,1). Von dort führt dann genau ein Weg (und zwar mit Gewicht ½) nach (r,0). Die Zustände (n,n) und (r,1), also Anfangs- und Endpunkte aller gesuchten Wege, bilden die gegenüberliegenden Ecken eines Parallelogramms, dessen Seiten aus n-r bzw. n-1 Schritten besteht:

Grafik h
Die Grafik erinnert auch an einen Ausschnitt vom auf dem Kopf stehenden Pascal'schen Dreiecks, dessen Systematik uns im folgenden helfen wird, die Anzahl verschiedener Wege zu berechnen.
Um von (n,n) nach (r,1) zu kommen, benötigt man immer n-r Schritte nach links unten
und n-1 Schritte nach rechts unten, gesamt also 2n-r-1 Schritte. Die Anzahl verschiedener Wege von (n,n) nach (r,1) ist somit gleich der Anzahl verschiedener Anordnungen der n-r Schritte nach links unten (bzw. äquivalent dazu der n-1 Schritte nach rechts unten) innerhalb aller notwendigen Schritte eines möglichen Weges.
Anders ausgedrückt: Ein Weg von (n,n) nach (r,1) lässt sich als Folge von Münzwürfen der Länge 2n-r-1 darstellen, wobei genau n-r Mal die eine Seite der Münze und genau n-1 Mal die andere Seite der Münze vorkommt. Gesucht sind nun die Anzahl der verschiedenen Möglichkeiten der Anordnung von Kopf und Zahl.
Es gibt somit  Grafik i
verschiedene Wege von (n,n) nach (r,1). Jeder Schritt der insgesamt 2n-r-1 Schritte jedes Weges ist mit Wahrscheinlichkeit ½ zu gewichten (faire Münze).
Die Wahrscheinlichkeit, von (n,n) nach (r,1) zu gelangen, ist somit das Produkt aus der Anzahl der Wege und der Wahrscheinlichkeit eines Weges, also   Grafik j

Da wir aber nach (r,0) wollen, müssen wir noch mit ½ multiplizieren. Allerdings war die Wahrscheinlichkeit für den Zustand "(r,0) oder (0,r)" gefragt, wir müssen also aus Symmetriegründen mit 2 multiplizieren. Wenn wir das Ergebnis mit p(n,r) bezeichnen, erhalten wir
p(n,r) : = Wahrscheinlichkeit des Zustands "(r,0) oder (0,r)" = Grafik jGrafikGrafik
 

Die zweite Fragestellung möchte Antwort auf ein konkreten Fall:
Wenn anfangs in beiden Urnen jeweils 20 Kugeln waren, mit welcher Wahrscheinlichkeit fehlen in der einen Urne erst 15 Kugeln, wenn die andere gerade leer geworden ist?
Wir benutzen die Formel p(n,r) aus der ersten Fragestellung mit n = 20 und r = 5:

Grafik k

also 10,8 %.

Es sei noch angemerkt, dass die Summe aller möglichen Ausgänge des Experiments natürlich 1 ist:
GrafikGrafik

Auswertung:

eingegangene Lösungen richtige Lösungen falsche Lösungen
 22  17 5
Bemerkungen : endlich mal wieder Stochastik  ;-))

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aktuelle Aufgabe 10. Aufgabe Hall of FAME
 

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Das ist der ganze Jammer:
die Dummen sind so sicher und die Gescheiten so im Zweifel.
      Helmut Schmidt 
 
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© Karin S., Juni 2003